Bowling for…. family!

Welche Mama (oder welcher Papa) kennt ihn nicht – den entsetzten Blick auf das liebevoll zubereitete Essen, kombiniert mit dem Ausruf “Iiiiiiieh, da ist ja XYZ drin!”. Ich gehe mal stark davon aus, dass ich da nicht die einzige bin. Und wahrscheinlich auch nicht damit, dass bei mehreren Kindern natürlich jedes einzelne andere Vorlieben und Abneigungen hat.

Bei uns sieht das in etwa so aus: die große Maus isst fast alles, solange es nicht zu große Stücke sind. Wobei groß relativ ist. Und dass Aubergine im einen Gericht der absolute Renner ist, heißt nicht, dass sie das gleiche Gemüse nicht in anderen Variationen mit größtmöglicher Pingeligkeit aussortiert. Sie hat bei uns auch den Begriff “Erbsenteller” geprägt (wahlweise auch Brokkoliteller oder eben sonst eine beliebige Gemüsesorte davor setzen) – der Teller, auf den das ungeliebte Gemüse aussortiert wird. Denn das darf noch nichtmal am Rand des eigenen Tellers sein trauriges Dasein fristen.

Die Mittelmaus isst hingegegn ausschließlich rohes Gemüse. Paprika, Gurke, Tomate, Kohlrabi, Radieschen, Karotten, Zuckerschoten – alles ok, solange es nicht gegart ist. Gemüse in Soßen, Aufläufen, Suppen wird hingegen umfassend aussortiert – und das artet dann oft zu einer solchen Mammutaufgabe aus, dass sie direkt das ganze Gericht ablehnt. Müsli ist ihre liebste Alternative und phasenweise gefühlt ihre einzige Nahrungsquelle.

Minimaus isst fast alles sowohl roh als auch gekocht – aber nicht immer und im ständigen Wechsel. Mal isst das Kind eine halbe Salatgurke allein, dann wird Gurke tagelang noch nichtmal eines Blickes gewürdigt. Kürzlich flippte sie aus, weil es zu wenig Himbeeren gab – als ich beim nächsten Einkauf wieder welche mitbrachte, waren sie gerade nicht angesagt. Kurzum, das Kind ist immer für eine Überraschung gut.

Das alles ist normal und gut so. Denn die Grundidee des intuitiven Essens ist ja genau diese, dass jedem Menschen etwas anderes gut tut, dass jedem unterschiedliche Dinge gut bekommen und dass unser Appetit auf bestimmte Nahrungsmittel auch von Tag zu Tag schwanken kann – je nachdem, was unser Körper gerade braucht. Und wie ich hier schon mehrfach ausgeführt habe, tun wir gut daran, unseren Kindern dieses Gespür für sich selbst und die eigenen Vorlieben zu ermöglichen. Trotzdem machen genau diese unterschiedlichen Vorlieben das Kochen für die Familie natürlich oft zum Drahtseilakt, verbunden mit der gespannten Frage: “Wem wird es heute wieder nicht schmecken, wer wird was aussortieren und wer greift gleich zur Alternative?”

Vor diesem Hintergrund habe ich mich an eine derzeit ziemlich angesagte Essensvariation gewagt, von der in Zeitschriften, auf Blogs und auch im TV immer wieder die Rede ist – die Bowl. Das Grundkonzept ist eine sättigende Basis, meist ein gekochtes Getreide wie Reis oder Couscous, aber auch Nudeln oder Kartoffeln sind möglich. Darauf kommen je nach Variation und Gusto verschiedene Gemüsesorten, wahlweise gebraten, gedünstet oder roh, ein Eiweißlieferant wie Fleisch, Käse, Ei oder Hülsenfrüchte und zum Schluss verschiedene Toppings wie z. B. Oliven, Nüsse, Kerne. Dazu eventuell ein Dressing und fertig ist eine komplette und ausgewogene Mahlzeit, die “Bowl” (vom englischen Wort für Schüssel, da das Ganze klassischerweise in einer Portionsschüssel angerichtet wird). Klingt super – für ein oder zwei Personen, so dachte ich zumindest bisher. Aber da gerade in den letzten Tagen wieder extrem viel gemäkelt und aussortiert wurde, habe ich heute den Test gewagt. Meine Idee war, dass ich alle Zutaten einzeln auf den Tisch bringe und sich jeder nimmt, was er möchte – und so für jeden eine individuelle Bowl heraus kommt. Am Ende sah das Ganze so aus:

  • Couscous mit Olivenöl, Zitronensaft, Salz, Pfeffer, Knoblauch und Frühlingszwiebel als Basis
  • Zucchini- und Auberginenwürfel in der Pfanne gebraten und mit Kräutern gewürzt
  • Tomate, Gurke und Paprika als Rohkostwürfel
  • Oliven
  • Joghurtdressing
  • Pfannenkäse

Nachdem ich alles auf dem Tisch drapiert hatte, ließ ich meinen Blick schweifen und war mir sicher, dass das nicht funktionieren würde. Innerlich seufzend stellte ich die obligatorischen Alternativen Brot, Butter, Frischkäse und Müsli mit auf den Tisch. Die Meute kam und schaute erstaunt. Ich erklärte das Konzept – und mein Mann fackelte nicht lange und gab jeder Maus einen kleinen Löffel Couscous auf den Teller. “Was magst du drauf?” Ich hielt innerlich die Luft an – und konnte es kaum glauben. Alle drei Mäuse bedienten sich umfangreich an den bereit stehenden Zutaten. Heraus kamen drei grundverschiedene Bowls: eine mit Tomate und Käse, eine mit Gurke, Oliven und Dressing, eine mit Tomate, Gurke, Paprika und vielen Oliven. Niemand musste etwas aussortieren, und alle forderten Nachschlag. Die Alternativen konnte ich heute zum ersten Mal seit Ewigkeiten unberührt wieder wegräumen.

Mein Fazit: Bowls mögen kein klassisches Familienessen sein, aber mit etwas Phantasie und Flexibilität bei der Zusammenstellung können sie es durchaus werden. Und dem Gedanken des intuitiven Essens werden sie dabei auch noch gerecht. Bowling wird es bei uns jetzt öfter geben!

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